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Bewerben mit Erfolg - Tips und Tricks

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14.06.2019, Patricia Weiss Wermuth

Lohntransparenz – und plötzlich verdient Frau wie ein Mann!

Geht es um den Lohn, gehen die Emotionen gerne hoch – viele Mitarbeitende fühlen sich unfair entlöhnt, können ihr Gefühl aber nicht überprüfen, da keine Lohntransparenz herrscht. Es gibt aber tatsächlich bereits eine Reihe von Unternehmen in der Schweiz, welche sämtliche Löhne offenlegen. Die Firma Metron AG in Brugg zum Beispiel – alle Mitarbeitende versammeln sich jährlich um einen Tisch und legen die Karten offen. Vom Chef bis zum Assistenten – alle reden über den Lohn für das kommende Jahr. Auch die Alternative Bank Schweiz (ABS) praktiziert seit 1990 individuelle Lohntransparenz und ist überzeugt, dass Mitarbeitende zufriedener sind, wenn sie Lohneinstufungen nachvollziehen können.

Es ist ja gesetzlich keineswegs verboten, sich innerhalb der Belegschaft über die Gehälter auszutauschen. Es ist bloss nicht so selbstverständlich wie zum Beispiel in den angelsächsischen Ländern. Dort gehört die Lohnangabe in der Regel offen zur Stellenausschreibung. Traditionell ist das Gehalt in der Schweiz ein sehr sensibles Thema.

Ich sehe bei einer Lohntransparenz Vorteile für das Unternehmen als auch die Mitarbeitenden: auf Stellenanzeigen mit Lohnangaben melden sich nur noch diejenigen Bewerber, die bereit sind, für diesen Lohn zu arbeiten. Dies erspart viel Zeit (weniger Bewerbungsgespräche mit negativen Ausgang wegen des Lohnes) und somit Geld. Zudem fühlen sich Mitarbeitergruppen, die heute lohnmässig benachteiligt sind, nach Lohnangleichungen dank Transparenz deutlich zufriedener. Dies könnten Frauen sein, aber möglicherweise auch Ausländer sowie von Lohndumping betroffene Gruppen.

Ein Nachteil für das Unternehmen könnte dagegen sein, dass es sich früh im Rekrutierungsprozess auf einen Lohn festlegen muss. Echte Top-Shots, für welche es mehr zu bezahlen bereit wäre, werden sich kaum mehr melden auf die Ausschreibung. Ein Ausweg könnte sein, dass ein Unternehmen statt eines Fixlohns eine Lohnbandbreite angibt und vermerkt, dass in Spezialfällen Überzahlungen möglich sind (zum Beispiel in Österreich so zu sehen). Mit dem Risiko, dass dies wieder zur Situation der Lohnintransparenz führt, die wir ja aufweichen möchten …

Dank Lohntransparenz haben unterbezahlte Mitarbeitende deutlich bessere Argumente für ihre Gehaltsverhandlung. Der Arbeitgeber kann nicht mehr davon profitieren, dass Mitarbeitende keine Ahnung haben, wo sie gehaltsmässig stehen.

Ich bin zudem der Meinung, dass die Lohntransparenz Bedingung ist, damit Lohngleichheit zwischen Mann und Frau endlich Realität wird. Leider verdienen Frauen bei uns auch im 21. Jahrhundert nach wie vor einen Fünftel weniger als Männer (Gender Pay Gap) – für gleiche Verantwortung, Leistung und bei gleicher Qualifizierung.

Transparenz führt in einem ersten Schritt vermutlich tatsächlich zu Verunsicherung, längerfristig aber zu faireren Löhnen. Diese verbessern die Mitarbeiterbindung, weil sich die Mitarbeitenden gerecht behandelt fühlen und zufriedener sind. Somit steigt die Attraktivität des Arbeitgebers. Und, gerade zum Frauenstreiktag wichtig: Der Gender Pay Gap könnte endlich geschlossen werden.